Das habe ich befürchtet: VOX holt die US-Serie „Grimm“ nach Deutschland. Was daran so problematisch ist? Nun, die Serie ist bekannt für sein herrliches Möchtegern-Deutsch, was bei der Synchronisation für das deutsche Publikum bedauerlicherweise verloren gehen wird. [Achtung: Im folgenden Text sind ein paar kleine Spoiler enthalten!]

Kurz zusammengefasst dreht sich die Serie um Detective Nick Burkhardt, der als Nachfahre der Grimms in einigen Menschen meist tierähnliche Kreaturen erkennen kann. Mit den Grimms sind zwar tatsächlich die deutschen Märchenerzähler gemeint, hier aber entpuppen sie sich als skrupellose Jäger. Nick erbt neben seiner übernatürlichen Fähigkeit auch einen ollen Wohnwagen voller mittelalterlicher Waffen und Bücher, in denen nicht etwa Märchengeschichten stehen, sondern Beschreibungen der Wesen und bestenfalls wie man sie töten kann.

Absurd? Ohja! Spätestens als sich herausstellt, dass auch Hitler eine dieser Kreaturen war (Hier die absolut bekloppte Szene), hat sich die Serie selbst komplett ins Lächerliche gezogen.

Also, warum schaue ich dann „Grimm“? Um das zu beantworten, möchte ich zunächst meinen Lieblings-Charakter vorstellen: Eddie Monroe. Monroe ist ein Blutbad. Jawohl, ein Blutbad. Mehrzahl „Blutbaden“, wohlgemerkt. Klingt komisch? Tja, ein „Blutbad“ ist hier eine wolfsähnliche Kreatur, sozusagen der „große böse Wolf“. Da Monroe inzwischen allerdings aufs Töten verzichtet, ist er nun ein „Wieder Blutbad“. Klingt immer noch komisch? Was soll ich sagen, da waren eben echte Experten am Werk. Aber es kommt noch besser…

Ich habe bereits Nicks Bücher erwähnt, in denen er jedesmal blättert, wenn er einem unbekannten „Wesen“ („Wessen“ ausgesprochen) begegnet ist. Als er „Ziegevolk“ nachschlägt, ist ein deutscher Text zu sehen. Ich zitiere: „Die Ziegevolk, die manchmal auch als Bluebeards, sind eine Ziege wie Geschopf. Das sah ich mit meinen eigenen Augen in Munchen im Winter 1805. Scheinen sie nicht gewalttatig. Die Gefahr kommt aus ihre instinktiven Notwendigkeit der Rasse und scheinen sich nicht zu kummern. Menge uber die Qualitat.“ – Ja, solch wortgewandte Lyrik sind wir von den Grimms gewohnt. Nick liest auf Englisch übrigens einen völlig anderen Text vor. Kein Wunder, er kann ja gar kein Deutsch.

Womit wir zurück zu Monroe kommen. Der nämlich hat durch seine Vorfahren ein wenig Deutsch gelernt und hilft Nick hin und wieder beim Übersetzen. Die Kreaturen haben nämlich nicht nur mehr oder weniger deutsche Namen, wie z.B. Bauerschwein, Drang-Zorn, Lausenschlange, Reinigen, Seltenvogel, Spinnetod, Seelengut, Lebensauger, Fuchsbau, Klaustreich oder Dickfellig, auch ihre Bräuche und Eigenarten haben die Grimms selbst benannt. Man muss aber schon genau hinhören, denn durch die englische Aussprache sind Namen und Begriffe meist nicht sofort als Deutsch zu identifizieren. Als Monroe z.B. von einem „Nockenhoff“ sprach, kam ich erst drauf, als ein Häufchen Knochen gezeigt wurde: Ein Knochenhof! Logisch!

Zwar ist mir der absolut liebenswerte Monroe inzwischen ans Herz gewachsen, aber was mich letztlich an diese Serie bindet, sind wirklich die Fragen: Was für ein Kauderwelsch verkaufen die Autoren jetzt wieder als Deutsch? Und wieso zur Hölle können sie es sich nicht leisten jemanden zu fragen, der dieser Sprache wirklich mächtig ist?! Ich habe reichlich in Foren und Fanseiten gestöbert um festzustellen, dass das ausländische Publikum tatsächlich zu glauben scheint durch diese Serie echtes Deutsch zu lernen. Wird es von vereinzelten Besserwissern mit der traurigen Wahrheit konfrontiert, reagiert es überwiegend gereizt. Wahrscheinlich, weil die Serie dadurch an Coolness und Glaubhaftigkeit verliert.

Aber um auf den Kern zu kommen: Was passiert nun damit bei der Synchronisation? In anderen Serien wird einfach eine andere Sprache verwendet, aber die Grimms lassen sich schlecht nach Frankreich oder sonstwohin verlegen. Werden die albernen Namen einfach übernommen? Wird das „Deutsche“ der Serie einfach mit anderen Inhalten tot synchronisiert? Oder versieht man die Sprache mit einem unsinnigen Akzent? VOX macht es spannend und zeigt nur Teaser in denen kein Wort gesprochen wird. Wir müssen uns also bis zum Serienstart am 18. Februar gedulden.
 
Abschließend noch mein bisheriger Lieblings-Dialog, bevor die Synchronisation ihn zerstört:

Monroe: Rest in peace, brother. Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.
Nick: That sounded really beautiful. What does it mean?

kommentare

Dieser Beitrag spricht mir aus der Seele.

Freut mich! ;)

Traumhaft! Ich hab gerade die Szene mit der Wurst gesehen, hab auf Pause gedrückt, um mal zu Googeln und bin prompt auf diesen Beitrag gestoßen.
Ich mag die Serie, aber es ist echt anstrengend, dabei zuzuhören, wie die Deutsche Sprache verhackstückt wird.
Meine Lieblingsworte sind jetzt „Dämonfeuer“ (ich habe beim ersten Hinhören ‚Damenfuehrer‘ verstanden – Damenführer?!)
und „The Unbezahlbar“.

Haha, Damenführer ist auch gut! ^^

Ich hab schon öfters von Grimm gehört, aber das mit dem Deutsch wusste ich noch garnicht. Da bin ich echt gespannt, was die daraus machen, wenns nix ist werd ich mir die Originalversion anschauen, sofern es die bei Netflix gibt, denn ohne Untertitel geht bei mir gaarnicht.
Liebe Grüße
Denise




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